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Der Goldene Schnitt in der Fotografie mit seinen Facetten

Goldener Schnitt heißt, daß eine Strecke so geteilt wird, daß der größere Abschnitt sich zur gesamten Strecke in seiner Länge so verhält wie der kleinere Abschnitt zum Größeren. Wenn man nun bei einer stetigen Teilung die absoluten Maße betrachtet, ergeben aufsteigend durch Addition zwei hintereinanderliegende Zahlen in der Summe die jeweils nächste Zahl: 2:3, 3:5, 5:8, 8:13, usw.

Der „Goldene Schnitt“, die am häufigsten angewandte Gestaltungsregelregel:
In der Antike als "Maß aller Dinge" bezeichnet.


Aber heute beinahe genauso umstritten. Warum? Nun, in der Fotografie gibt es keine Regel ohne Ausnahme, Erklärungen lassen sich dafür kaum finden. Ein Bild muß Wirkung zeigen, eine Geschichte erzählen können.



Erst wenn man diese Regeln beherrscht, kann man davon abweichen. Folgende Faktoren als Variationen sind denkbar.


Schärfe / Unschärfe
Hell- / Dunkelkontrast
Farbkontrast
Linien
Flächenaufteilung

In den beiden Grafiken zeige ich einmal die idealen Schnittpunkte des „Goldenen Schnittes“ auf; die rechte Grafik ist eine gern gewählte Alternative, bringt je nach Motiv nochmals mehr Spannung in das Bild hinein.


Die Schnittpunkte der Linien ergeben jeweils den Punkt, an dem sich das bildwichtige Motiv befinden sollte. Durch die Variation, nicht exakte Drittelteilung des Suchers, erhält man interessante Alternative zu der herkömmlichen Regel. Die grünen Punkte geben die neuen Schnittpunkte wieder. 12 neue Möglichkeiten sind so zu erhalten. Gerade bei Standard-Motiven hilft uns diese Möglichkeit, einen neuen Betrachtungswinkel zu finden für das ach so „abfotografierte“ Motiv.

Kleiner Praxis-Tipp dazu:
Ausgeschnitten aus Folie übertragen kann man sich diese Hilfe mitnehmen und vor das Auge halten, somit den Ausschnitt vorab exakt bestimmen. Mit der Zeit erübrigt sich diese Methode, man sieht es instinktiv.

Ferner gilt es zu beachten, dass sich bewegende Motive, von den gewählten Schnittpunkten in das Bild hinein bewegen. Denkbar ungünstig wäre es,, die Motive nach oben zu verlegen, bei der gleichen Richtung der Pfeilangabe.


So baut sich dem Betrachter des Bildes eine positive Spannung im Bild auf. Zusätzliche Effekte, wie zum Beispiel der Wischeffekt, kann man gestalterisch mit einbeziehen über eine längere Verschlußzeit oder gar dem Mitzieher. Damit ist eine Grundlage der Fotografie erreicht.
Das Sehen des eigentlichen Motivs kann niemand einem beibringen. Bis zu einem gewissen Grad läßt sich Auge schulen, das Erkennen des ein oder anderen Motivs jedoch läßt sich nicht beschreiben. Viele Faktoren spielen hier eine Rolle. Möchte ich das Bild gar für einen Wettbewerb, Ausstellung oder nur für eine Dokumentation benötigen? Erstelle ich eine Serie für eine spätere Erklärung oder bin ich auf der Suche nach dem Einzelbild? Fragen die sich ein jeder selber beantworten muß. Man bedenke: an einem Wettbewerb werden ganz andere Faktoren gestellt als an ein Bild für eine Dokumentation oder gar eine Ausstellung. Es läßt sich auch nicht mit einem „besser“ oder „falsch“ interpretieren. Wir wachsen auf mit vielen uns umgebenen Bildern. Noch stärker als bisher werden wir konfrontiert mit einer Bilderflut. Das beeinflusst auch unser Sehen. Direkt und Indirekt. Versuchen wir neue Wege zu gehen, lernen aus der gemachten eigenen Erfahrung.

Vergessen sollte man auch nicht, dass dies immer schon möglich war, früher wie heute. Frei machen sollte man sich auch von dem Gedanken der Industrie, das ein Kameragehäuse X bessere Bilder erstellt. Nein. Immer der, der durch das Okular seiner Kamera blickt, und kurz darauf den Auslöser betätigt, erstellt das Bild. Die Kamera ist nur das Werkzeug, das Hilfsmittel.


In der bildenden Kunst, und dazu gehört auch die Fotografie, wird der Goldene Schnitt vorrangig deshalb verwendet, um dem Gesamtwerk einen harmonischen Eindruck zu verschaffen oder um bestimmte Details hervorzuheben.

Ob bereits die Ägypter ihre Pyramiden nach dem Goldenen Schnitt oder nach anderen geometrischen Prinzipien bauten, darüber streiten sich die Experten noch heute.

Die Bedeutung des Goldenen Schnitts erkannte Euklid 300 v. Chr. Dieses Streckenverhältnis bildete später die Grundlage der griechischen Malerei, Plastik und Architektur. (BeispielI: das Parthenon).

Im Mittelalter hielt man den Goldenen Schnitt gar für "göttlich", er war die Verkörperung der vollkommenen Schöpfung, in der Renaissance stellte er die göttliche Logik dar. (Beispiel: Dom von Florenz).

Danach verschwand er als Grundlage der Kunst für einige Zeit, wurde in den 20er Jahren unseres Jahrhunderts von vielen Künstlern angewandt, so z. B.: von Le Corbusier in der Architektur und von Piet Mondrian in der Malerei.


Prominente Beispiele im Bildnerischen sind die Mona Lisa von Leonardo da Vinci und das Selbstbildnis von Albrecht Dürer. Ich stelle bewusst einmal ein klassisch aufgebautes Portrait-Foto aus unserer Zeit dagegen. Auch hier ist dieses Prinzip deutlich erkennbar, wobei beim fotografieren dieses Fotos überhaupt nicht bewusst an dieses Prinzip gedacht wurde. Was wiederum den Schluss zulässt, dass unser Sehen so geschult ist, dass wir nach "Harmonie" streben. Selbst in nicht-europäischen Kulturen kann man dieses Prinzip erkennen.

 

 



Selbstbildnis von Dürer: Auch dem flüchtigen Betrachter wird auffallen, dass Dürers Kopf mit den wallenden Locken ein regelmäßiges Dreieck bildet. Zeichnet man dieses ein, so bemerkt man, dass es sich nicht nur um ein gleichseitiges Dreieck handelt, dessen Spitze mit der Mitte des oberen Bildrandes zusammenfällt, sondern dass die Basis dieses Dreiecks zugleich die Höhe des ganzen Bildes genau im goldenen Schnitt teilt.

 

 


Experten oder solche, die meinen, welche zu sein, streiten um die Bedeutung dieses einst als "göttlich" gepriesenen Verhältnis. In der Mathematik, in der immer eine eindeutige "Sprache" gesprochen wird, ist der Goldene Schnitt häufig "das erste und somit einfachste nichttriviale Beipiel im Rahmen weiterführender Verallgemeinerungen", also ein unumstößliches Gesetz.

Faszinierend ist, dass der Goldene Schnitt seine außer-mathematische "magische" Anziehungskraft bis heute bewahren konnte. So taucht er doch in neuen Forschungsbereichen immer wieder auf. Sogar im Bereich der Metaphysik und der Chaosforschung hat man ihn schon als "letzte Bastion der Ordnung im Chaos" bezeichnet.

Allein schon deswegen wage ich diesem Gestaltungs- und Seh-Prinzip eine "goldene" Zukunft vorauszusagen. Dieser Tipp ist eine Gemeinschaftsproduktion von:

Wolfgang Peter & Roman F. Hümbs

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